Saud Al Faisal
Seine königliche Hoheit Prinz Saud ibn Faisal ibn Abd al-Aziz Al Saud (1940–2015) ist der bedeutendste Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien. Außerdem war er während der mehr als 40 Jahre, in denen er das saudische Außenministerium leitete, einer der bekanntesten Politiker der Welt. Während dieser Zeit war er an mehreren Ausschüssen zu arabischen Themen beteiligt und führte mehrere Delegationen an, um Saudi-Arabien in arabischen und globalen Fragen zu repräsentieren, insbesondere vier Jahrzehnte lang bei der jährlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen.
Prinz Saud Al Faisal zeichnete sich durch seine Redegewandtheit, Ausdrucksstärke, Selbstbeherrschung sowie die Fähigkeit aus, schwierige Situationen zu beruhigen. Außerdem war er für seinen politischen und diplomatischen Scharfsinn sowie seine extreme Konzentrationsfähigkeit unter belastenden Umständen bekannt. Die Belange des Königreichs sowie der Golfstaaten und arabischen Länder vertrat er mit Nachdruck. Er war berühmt dafür, die Souveränität von Staaten und deren Status unterscheidungsfrei anzuerkennen.
Geburt und Ausbildung von Prinz Saud Al Faisal
Prinz Saud Al Faisal wurde in Ta'if geboren und erhielt seine Ausbildung im Primarschulbereich an der Taif Model School. Anschließend absolvierte er ein Bachelorstudium in Wirtschaft an der Princeton University in New Jersey, USA, das er 1964 abschloss.
Karriere von Prinz Saud Al Faisal
Die erste Station im Berufsleben des Prinzen war das Ministerium für Erdöl und Bodenschätze (heute das Ministerium für Energie), wo er als Wirtschaftsberater arbeitete. Später wurde er in ebendiesem Ministerium Mitglied des obersten Koordinationsausschusses. Danach arbeitete er bei der Petromin Corporation, wo er 1966 die Verantwortung für das Petroleum Relations Office übernahm, das die Koordination der Beziehung zwischen Petromin und dem Ministerium überwachte. 1970 wurde der Prinz Deputy Governor von Petromin für Planungsfragen. 1971 wurde er zum stellvertretenden Minister für Erdöl und Bodenschätze des heutigen Ministeriums für Energie ernannt, was er bis 1974 blieb.
Seine Arbeit beim Außenministerium begann Saud Al Faisal während der Herrschaft seines Vaters König Faisal ibn Abd al-Aziz Al Saud. Zu jener Zeit war Omar al-Saqqaf Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten. Nach dessen Tod wurde diese Position dem Prinzen übertragen, der sie ca. sieben Monate lang ausfüllte, von März bis Oktober 1975. Am 13. Oktober 1975 wurde der Prinz schließlich durch ein königliches Dekret zum Außenminister ernannt.
2015 erging ein königliches Dekret, mit dem Prinz Saud Al Faisal zum Staatsminister, zum Mitglied des Ministerrats, zum Berater und Sonderbeauftragten des Dieners der beiden heiligen Stätten König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud und zum Aufsichtsführenden für auswärtige Angelegenheiten ernannt wurde, bis er im selben Jahr verstarb.
Aufgaben von Prinz Saud Al Faisal
Prinz Saud Al Faisal hatte mehrere Aufgaben. Die wichtigsten darunter waren: Vizepräsident des obersten Medienrats, Mitglied des obersten Erdölrats und Geschäftsführer der nationalen Behörde für Wildtiere. Außerdem war er Mitglied in mehreren arabischen Ausschüssen einschließlich des al-Quds-Komitees, des arabischen Komitees für den Libanon, des dreigliedrigen arabischen Ausschusses zum Libanon, des arabischen Solidaritätskomitees und des Komitees der arabischen Sieben.
Im Namen des Königs leitete Prinz Saud Al Faisal Delegationen bei mehreren arabischen und islamischen Versammlungen und Gipfeltreffen. Des Weiteren führte er während der vier Jahrzehnte, in denen er Außenminister war, den ständigen Vorsitz der saudischen Delegation bei Treffen der arabischen und muslimischen Außenminister und bei der jährlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen.
Diplomatie von Prinz Saud Al Faisal
Prinz Saud Al Faisal ist ein Symbol der arabischen und islamischen Diplomatie im Allgemeinen und der Geschichte der Diplomatie des Königreichs im Besonderen. Er ist der am längsten amtierende Außenminister weltweit. Er behielt seine Position und gewann das Vertrauen von vier Königen: von König Chalid ibn Abd al-Aziz Al Saud und dessen Brüdern König Fahd ibn Abd al-Aziz Al Saud, König Abdullah ibn Abd al-Aziz Al Saud und dem Diener der beiden heiligen Stätten König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud. Als Außenminister war der Prinz Zeuge der wichtigsten zeitgenössischen Ereignisse im Nahen Osten und weltweit. Außerdem erlebte er eine der wichtigsten Epochen der Weltgeschichte.
Prinz Saud Al Faisal unternahm diverse Anstrengungen, die die Rolle der Arabischen Liga aktivierten, gründete den Golf-Kooperationsrat und verteidigte die legitimen Rechte der Palästinenser. Darüber hinaus setzte er sich für die Befriedung des Libanon nach jahrelangem Krieg und die Bekämpfung des Terrorismus ein. Des Weiteren war während seiner Zeit als Außenminister die Ausrichtung der Außenpolitik des Königreichs auf die Unterstützung des Weltfriedens und die Festigung der regionalen Sicherheit deutlich erkennbar.
Prinz Saud Al Faisal war während der schwierigsten politischen Umstände in der Region im Amt, insbesondere während des Ersten Golfkriegs, während des Bürgerkriegs im Libanon, während des Zweiten Golfkriegs und während der Anschläge vom 11. September 2001. Außerdem entschärfte der Prinz die Folgewirkungen von Ereignissen und erarbeitete friedliche Lösungen.
Prinz Saud Al Faisals Standpunkte in arabischen Fragen
Prinz Saud Al Faisal war ein entschiedener Verfechter der Aufrechterhaltung der Rechte arabischer Länder. Sein Leben lang forderte er die Souveränität der VAE im Hinblick auf deren vom Iran besetzten Inseln ein. Des Weiteren bezog er 2011 deutlich Position gegen die iranischen Drohungen gegen das Königreich Bahrain. Außerdem engagierte er sich für die Belange der Palästinenser, denen in allen internationalen diplomatischen Foren seine Aufmerksamkeit galt.
Selbst unter dunkelsten und schwierigsten Umständen war es Prinz Saud Al Faisal ein großes Anliegen, die Realität der arabischen Politik zu verbessern, indem er im Abkommen von Taif, bezüglich der Befreiung von Kuwait und in den Phasen nach dem Fall des Regimes Saddam Husseins sowie während des sogenannten Arabischen Frühlings, der sich auf zahlreiche arabische Länder auswirkte, Stellung bezog.
Eine wichtige Rolle spielte Prinz Saud Al Faisal auch, indem er sich dem Iran und dessen Versuchen, seinen Einfluss in der Region und insbesondere im Irak, im Libanon, in Syrien und im Jemen auszuweiten, widersetzte. Er stellte sich der iranischen Politik fortlaufend entgegen, und mit seiner Diplomatie gelang es ihm, die Welt davon zu überzeugen, dass der Iran in der arabischen Region mehrere Verbündete hatte, insbesondere unter den Hisbollah-Milizen und der Quds-Einheit.
Obwohl das Interesse Prinz Saud Al Faisals der Diplomatie und der Politik galt, sprach er in seinen Reden auch Themen wie Menschen- und Frauenrechte, die Förderung der Talente, Kreativität und intellektuellen Fähigkeiten von Kindern sowie deren umfassenden Schutz an. In letzterer Hinsicht wandte er sich gegen konfessionelle und ethnische Konflikte, um Gesellschaften vor Bürgerkriegen zu bewahren.
Tod von Prinz Saud Al Faisal
Nachdem er sich über 40 Jahre lang mit sämtlichen Aspekten von Politik und Diplomatie auseinandergesetzt hatte, verstarb Prinz Saud Al Faisal am Donnerstag, dem 9. Juli 2015. Er hinterließ sechs Söhne. Er wurde von der überwiegenden Mehrheit der politischen Führer und Diplomaten weltweit betrauert. Das König-Faisal-Zentrum für Forschung und islamische Studien veranstaltete zu seinen Ehren eine internationale Konferenz, die vom Diener der beiden heiligen Stätten König Salman ibn Abd al-Aziz unterstützt wurde und an der mehr als 3.000 arabische, islamische und internationale Persönlichkeiten teilnahmen.
Quellen
König-Faisal-Zentrum für Forschung und islamische Studien
Saudi Press Agency (offizielle Nachrichtenagentur des Königreichs Saudi-Arabien)