Der saudische Tag der Staatsgründung


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23/02/2026

Der saudische Tag der Staatsgründung ist im Königreich Saudi-Arabien ein nationaler Feiertag zum Gedenken an die Gründung des ersten saudischen Staates durch Imam Muhammad ibn Saud im Jahr 1727. Er wurde am 27.01.2022 durch ein königliches Dekret des Dieners der beiden heiligen Stätten König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud genehmigt. Der 22. Februar jedes Jahres gilt als Jahrestag der Gründung des Königreichs und ist ein gesetzlicher Feiertag.

Entgegen der landläufigen Meinung über den Beginn der Geschichte des saudischen Staates in der Moderne reicht sie bis in die Antike zurück. Die Gründung des ersten saudischen Staates reicht mehr als 300 Jahre zurück, in denen er seine Widerstandsfähigkeit und Unabhängigkeit gegenüber ausländlichen Einflüssen aufrechterhalten konnte. Von der Gründung bis zum heutigen Tag ist er hinsichtlich seiner Oberhäupter und Bevölkerung ein rein arabischer Staat geblieben.

Was ist der Tag der Gründung?

Die Geschichte hinter dem Tag der Gründung

Es ist der Tag, an dem Imam Muhammad ibn Saud den ersten saudischen Staat gründete – der 22.02.1727. Er machte Diriyya zur Hauptstadt dieses modernen Staates. Bis vor kurzer Zeit verbanden einige Quellen die Entstehung des ersten saudischen Staates mit der Ankunft von Sheikh Mohammed Bin Abdulwahhab in Diriyya und der Verkündung seines Rufes zum Islam. Dieses Ereignis fand jedoch erst deutlich nach der Gründung des Staates statt und hat keinerlei Verbindung dazu. Tatsächlich entstand der erste saudische Staat, als Imam Muhammad ibn Saud in Diriyya die Macht ergriff und dort den ersten saudischen Staat gründete.

Auch wenn dieser Tag erst dann als Tag der Gründung bekannt wurde, als er durch das königlichen Dekret diesen Namen erhielt und zum nationalen Feiertag erklärt wurde, war er in den historischen Quellen zur Dokumentation des Königreichs längst als Gründungstag ausgewiesen.

Verkündung des Tags der Gründung

Die Feier des Tags der Gründung wurde durch ein königliches Dekret am 27.01.2022 eingeführt. Das königliche Dekret legt den 22. Februar jedes Jahres als Feiertag für die Gründung des saudischen Staates fest. Er wird als Tag der Gründung gefeiert und ist ein gesetzlicher Feiertag, an dem die tief verwurzelte Geschichte des saudischen Staates sowie die starke Verbindung zwischen dem Volk und seinen Herrschern gewürdigt werden, die von der Zeit von Imam Muhammad ibn Saud bis zum heutigen Tag andauern.

Ziele des Gedenkens an den Tag der Gründung

Die Entscheidung, mit dem Tag der Gründung dem Ruhm des ersten saudischen Staates zu gedenken, stellt einen Aufruf dar, mit Stolz der tiefen Wurzeln des Staates, die bis in die Antike zurückreichen, zu gedenken. Zudem ist es ein Appell, die Verbundenheit zwischen dem Volk und seinen Anführern, die diesem Land zu Ruhm verholfen haben, zu stärken und den Stolz auf die nationale Einheit, Sicherheit und Stabilität, die mit der Gründung des saudischen Staates einhergeht, zu unterstreichen. Zudem sollen die Errungenschaften der Könige, der Söhne von Gründerkönig Abd al-Aziz ibn Abd ar-Rahman Al Saud, bei der Förderung der Entwicklung und der Einheit gewürdigt werden.

Visuelle Identität des Tags der Gründung

Das Königreich hat eine visuelle Identität für den Tag der Gründung entwickelt, ein Logo mit fünf historischen Symbolen des ersten saudischen Staates. In der Mitte befindet sich das Symbol eines Mannes, der eine Fahne hält. Dieses ist umgeben von Symbolen, die für die wichtigen kulturhistorischen Elemente stehen: die Palme, die saudische Flagge, das Arabische Pferd, der Falke und der Souq. Das Logo, das die Aufschrift „Tag der Gründung 1727“ im Stil einer historischen Schrift trägt, ist von einem alten Manuskript inspiriert, das die Ereignisse des ersten saudischen Staates aufzeichnet.

Wurzeln der Gründung

Abstammungslinie der Familie Al Saud

Der Stammbaum der Al Sauds geht auf ihren Stammvater Prinz Mani' Bin Rabia al-Muraydi zurück. Sie stammen vom Al-Madara-Clan der al-Duru' ab, die zu den Banu Hanifa gehörten, die im östlichen Teil der Arabischen Halbinsel an der Küste zum Arabischen Golf lebten. Wegen einer Dürre und des allgemein trockenen Klimas, verließen sie im 10. Jahrhundert die Mitte der Arabischen Halbinsel und gründeten eine Stadt mit dem Namen Diriyya, das erste Diriyya, nach ihrem Clan. Später, als die Stabilität wiederhergestellt war, kehrten die Stämme der Banu Hanifa nach Hajar al-Yamamah zurück. In dieser Zeit erhielt Mani' Bin Rabia al-Muraydi al-Hanafi, der in seinem Heimatort Diriyya im Osten der Halbinsel weilte, von seinem Cousin Ibn Dira', dem Herrscher der Stadt Hajar in al-Yamamah, eine Einladung, sich mit seinem Stamm in der Region seiner Ahnen und Vorväter niederzulassen.

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Abbildung von Imam Muhammad ibn Saud (Darah)

Siedlung der Banu Hanifa in al-Yamamah

Prinz Mani' Bin Rabia al-Muraydi al-Hanafi, XIV. Vorfahre des Dieners der beiden Heiligen Stätten König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud, zog mit seinen Stammesmitgliedern vom Osten der Arabischen Halbinsel in deren Zentrum, in das Hanifa-Tal in der Region al-Yamamah. In dieser Region befindet sich auch das berühmte Tuwaiq-Gebirge, das heute ein Symbol für die Entschlossenheit und Stärke der Menschen im Königreich ist.

Nach der Ankunft im Wadi Hanifa gründete Prinz Mani' in der Region Ghasayba und al-Mulaybeed die Stadt Diriyya, das zweite Diriyya. 1446 machte er Ghasaybah zu seinem Herrschersitz und al-Mulaybeed zum landwirtschaftlichen Zentrum. Der Name Diriyya geht auf den Clan von Prinz Mani' zurück, der im Osten der Arabischen Halbinsel angesiedelt gewesen war. Später wurde das Emirat 280 Jahre lang von den Söhnen und Enkeln von Mani' al-Muraydi beherrscht. Dieses war das Zentrum für die Gründung des ersten saudischen Staates.

Gründungshauptstadt

Lage von Diriyya

Diriyya, die Hauptstadt des ersten saudischen Staates, liegt im Zentrum der Arabischen Halbinsel in der Region al-Yamamah, die sich über einen Großteil der Halbinsel erstreckt. Sie hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 1.000 km und eine Ost-West-Ausdehnung von 500 km. Das berühmte und von Poeten gewürdigte Tuwaiq-Gebirge liegt in ihrem Zentrum. Al-Yamamah umfasst mehrere Regionen, am bekanntesten sind vor allem al-Arid, al-Washm, Sudair, al-Far', al-Aflaj, Wadi al-Dawasir sowie Dutzende Täler, die ihre Ebenen und Gebirge durchdringen. Dort befinden sich zudem mehrere bekannte Quellen, darunter al-Khadra und al-Hait. In Al-Yamamah, wegen des fruchtbaren Bodens und der Fülle an Bäumen einst als al-Khadra bekannt, befindet sich das Wadi Hanifa, eines der wichtigsten Täler der Arabischen Halbinsel. Sie befindet sich in einer strategisch wichtigen Lage in der Region al-Yamamah und ist seit der Antike ein Knotenpunkt für menschliche Siedlungen. Zudem war sie in verschiedenen geschichtlichen Epochen eine wichtige Station für Pilger und Handelskarawanen im Zentrum der Halbinsel.

Geschichte und Bedeutung von Diriyya

Die Stadt Diriyya befindet sich in einer strategisch bedeutenden Lage und eignet sich deshalb ideal als wichtige Hauptstadt. Dank der Lage am Rande des Wadi Hanifa, einem der wichtigsten Täler in Nadschd, verfügt sie über einige wichtige Merkmale. Ihre Lage im Herzen von einer der wichtigsten Handelsrouten trug ebenfalls zu ihrer großen Bedeutung bei. Die Route begann im Süden der Arabischen Halbinsel, führte durch Nadschran und verlief in nördlicher Richtung weiter nach al-Yamamah und dann Diriyya, wo sie sich verzweigte: nach Norden in Richtung Dumat al-Jandal, nach Osten in Richtung Iran und nach Westen in Richtung Hedschas. Diese Route gehörte zudem zum Hadsch-Weg für Pilger aus Persien, Irak und Zentralasien. Reisende nutzten diese Route und durchquerten Diriyya auf ihrem Weg nach Mekka. Die Bedeutung von Diriyya wuchs auch nach der Gründung durch Mani' al-Muraydi, der mit seinen Söhnen und Enkeln daran arbeitete, diese Route zu schützen und zu bedienen. Nach der Gründung des ersten saudischen Staates durch Imam Muhammad ibn Saud, erlangte diese wichtige Route noch mehr Bekanntheit unter den Handels- und Pilgerkarawanen, da Imam Muhammad ibn Saud sich dafür einsetzte, die Route zu schützen und gute Beziehungen zu den Stämmen, durch deren Territorium sie führte, aufzubauen. Dafür vereinbarte er mit ihnen, die Sicherheit aufrechtzuerhalten und notwendige Dienste für Reisende bereitzustellen.

Wurde früher auf der Arabischen Halbinsel eine Stadt gegründet, wurde diese zu Beginn in der Regel nur von einer Familie bewohnt. Erst nach Jahrzehnten würde diese Familie eine Vereinbarung mit bestimmten Personen oder Familien treffen und diesen gestatten, in ihre Stadt zu ziehen. Die Stadt Diriyya war jedoch eine Ausnahme von dieser Regel. Von Beginn an war Diriyya Reiseziel für Zuwanderer aus verschiedenen Teilen der Arabischen Halbinsel und darüber hinaus. Viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen der Arabischen Halbinsel haben Diriyya besucht oder dort gelebt. Je nach politischer Stabilität war die Stadt außerdem flexibel in ihrer Expansion. Imam Muhammad ibn Saud erkannte die verschiedenen Faktoren und nutzte seine in Diriyya gesammelten Erfahrungen. So entwickelte sich dieser Stadtstaat unter seiner Führung zu einem größeren Staat: dem ersten saudischen Staat.

Emirat Diriyya

Seit der Gründung des Emirats Diriyya haben viele Prinzen einander beerbt und jeweils großen Einfluss auf die Geschichte der Stadt genommen. An erster Stelle zu nennen ist Mani' al-Muraydi, der die Stadt und das Emirat begründet hat. Auf ihn folgten Rabiah Bin Mani', der die Gründung des Emirats abschloss, und Musa Bin Rabiah, der den Einfluss des Emirats ausweiten konnte. Die Sicherung der durch Diriyya verlaufenden Pilger- und Handelsrouten wird Ibrahim Bin Musa zugeschrieben. Markhan Bin Ibrahim vergrößerte den Einfluss des Emirats weiter, und unter der Herrschaft von Muqrin Bin Markhan dehnte sich das Emirat Diriyya aus. Mohammed Bin Muqrin herrschte über eine lange Zeit, und unter Saud Bin Mohammed Bin Muqrin wurde das Emirat Diriyya sogar noch mächtiger. Ihm werden der Stolz des Ritters von al-Auja und „Ich bin der Sohn Muqrins“ zugeschrieben. Schließlich folgte Muhammad ibn Saud, der Gründer und erste Imam des ersten saudischen Staates.

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Historische Aufnahme von Diriyya, Philippi, 1917 (König-Abd-al-Aziz-Stiftung für Forschung und Archive (Darah))

Die Gründung des ersten saudischen Staates

Imam Muhammad ibn Saud

Imam Muhammad ibn Saud ibn Muhammad ibn Muqrin wurde 1679 geboren und wuchs in Diriyya auf. Einen großen Teil seiner politischen Erfahrungen sammelte er in seiner Jugend, als er an der Seite seines Vaters an der Verwaltung des Emirats arbeitete. Das verschaffte ihm ein umfassendes Verständnis von dessen Zustand. Imam Muhammad ibn Saud war an der Verteidigung Diriyyas beteiligt, als die Stadt von Sa'dun Bin Mohammed, dem Anführer der Bani Khalid in Al-Ahsa, angegriffen wurde. Die Stadt konnte den einfallenden Truppen standhalten und diese zurückschlagen. Imam Muhammad ibn Saud war ein Herrscher, der in einer ehrenhaften und führungsstarken Familie aufwuchs. Er erlernte die Politik sowie den Umgang mit benachbarten Emiraten und Nomadenstämmen. Er hatte einen großen Einfluss auf die Stabilisierung der Verhältnisse in dem Emirat, bevor er an die Macht kam.

Imam Muhammad ibn Saud war ein Visionär. Er studierte die Verhältnisse in seinem und den umliegenden Emiraten im Speziellen sowie im Zentrum der Arabischen Halbinsel im Allgemeinen. Mit seiner Machtübernahme begann er mit den Planungen, von den damals vorherrschenden Mustern abzuweichen. Er schlug eine bis dato in der Region unbekannte Richtung ein, geprägt von Einheit, Bildung, der Verbreitung von Kultur, einer Verbesserung der Kommunikation unter den einzelnen Mitgliedern der Gemeinschaft und der Aufrechterhaltung der Sicherheit. Er hatte sechs Söhne, Abdulaziz, Abdullah, Saud, Faisal, Ali und Markhan, sowie zwei Töchter, Haya und Tarfa.

Imam Muhammad ibn Sauds Weg an die Macht in Diriyya

Vor Imam Muhammad ibn Sauds Machtübernahme befand sich Diriyya inmitten von Chaos und Unbeständigkeit, da mehrere Anführer und Emirate in den Nachbarstädten Machtkämpfe führten. In Diriyya war die Situation aber keinesfalls besser, da es zahlreiche interne Konflikte gegeben hatte, nach denen die Stadt geschwächt und innerlich gespalten war. Zu diesen Vorfällen zählte der Streit über das Emirat Diriyya zwischen seinem Onkel, Prinz Muqrin Bin Mohammed, und Prinz Zaid Bin Markhan. Außerdem hatte sich auf der Arabischen Halbinsel die Pest ausgebreitet, die vielen Stammesmitgliedern das Leben kostete. Imam Muhammad ibn Saud gelang es jedoch, alle diese Schwierigkeiten zu bewältigen, Diriyya zu einen und der Stadt Stabilität und Sicherheit zu geben.

Der Gedanke eines geeinten Diriyya brachte Imam Muhammad ibn Saud dazu, einen zentralisierten, vereinten Staat zu gründen: den ersten saudischen Staat. Zunächst verband er die zwei Teile von Diriyya – Ghasayba und al-Mulaybeed – miteinander und versuchte, für Stabilität in den beiden Gebieten sowie den umliegenden Stämmen und Orten zu sorgen. Er hatte großes Interesse daran, die Pilger- und Handelsrouten, die aus dem Osten und Nordosten der Arabischen Halbinsel kamen und durch Diriyya führten, zu schützen und die Stadt dadurch zu einem wichtigen Handelszentrum zu machen. Außerdem konzentrierte er sich darauf, die wirtschaftlichen Bedingungen des Staates zu verbessern und dessen Ressourcen zu organisieren sowie Diriyya weiter auszubauen. Er ließ den Stadtteil Tarafiyah in Samhan bauen, der seinerzeit zum Regierungszentrum wurde, sowie zu dessen Schutz die Mauer von Diriyya.

Grenzen des ersten saudischen Staates

Nachdem er die inneren Angelegenheiten des Staates geordnet und für Stabilität und Sicherheit gesorgt hatte, begann Imam Muhammad ibn Saud mit der Vereinigung der benachbarten Regionen in der Provinz Nadschd. Er führte persönlich die Kampagnen zur Vereinigung und sah sich einer Reihe von externen Angriffen ausgesetzt, die die Zerstörung des Staates zum Ziel hatten. Die Stämme und Städte übergaben ihre Emirate an Imam Muhammad, um Teil des saudischen Staates unter dessen Schutz zu werden. Im Gegenzug ernannte Imam Muhammad jeweils einen der ihren zum Prinzen des Gebiets. Dieser Abschnitt gilt als erste Phase der Vereinigung des saudischen Staates, die unter der Herrschaft seiner Söhne und Enkel abgeschlossen wurde. Über einen Zeitraum von 94 Jahren wurde der Staat von vier verschiedenen Imamen beherrscht und geeint.

Imam Muhammad ibn Saud, der den Staat gegründet und 40 Jahre lang beherrscht hatte, starb 1765. Auf ihn folgte sein Sohn Imam Abdulaziz Bin Mohammed. Er weitete den ersten saudischen Staat aus, indem er verschiedene Regionen Nadschds annektierte und den Stadtteil Turaif aufbaute, der fortan Tarafiyah als Regierungszentrum ablöste. Heute ist der Stadtteil Turaif eine wichtige archäologische Stätte mit einem bedeutenden Platz in der Geschichte des Königreichs. 2010 wurde er auf die Liste des UNESCO-Welterbes (The United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) gesetzt. In diesem Stadtteil ließ er den Salwa-Palast bauen, der später den Imamen des ersten saudischen Staates als Verwaltungs- und Regierungssitz diente.

Mit seiner Machtübernahme konzentrierte er sich auf die Vereinigung der Arabischen Halbinsel und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters Imam Abdulaziz Bin Mohammed. Unter seiner Herrschaft kam die Provinz asch-Scharqiyya hinzu. Die Grenzen des Staates erstreckten sich nunmehr bis zur Provinz Hedschas, der Provinz Asir und dem Norden der Arabischen Halbinsel. Während seiner Herrschaft gewährleistete er die Sicherheit der Pilgerrouten und Karawanen, und er diente den Pilgern. Er konzentrierte seine Bemühungen auf die Bildung und förderte das Schreiben und die Kalligrafie, was in der Gründung der ersten Schule für die Kunst des Schreibens und Vervielfältigens in Diriyya gipfelte.

Seine größte Ausdehnung erreichte der erste saudische Staat unter der Herrschaft des als „Saud der Große“ bekannten Imam Saud Bin Abdulaziz Al Saud, dem dritten Imam des Staates. Er übernahm nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1803 die Herrschaft. Nach seiner Machtübernahme konnte er die gesamte Hedschas-Region vereinigen, darunter die zwei heiligen Moscheen, und unter seine Herrschaft bringen. Seine Herrschaft stellte einen Wendepunkt in der Geschichte des Hadsch und der beiden heiligen Moscheen dar, da er persönlich jedes Jahr die Hadsch-Kampagnen führte, um die Bedienung und Betreuung der Pilger sicherzustellen. Unter seiner Herrschaft begann im saudischen Staat die Bedeckung der Kaaba mit der Kiswa, und es wurde für Sicherheit, politische Stabilität und Einheit im gesamten Staat gesorgt.

Kultur der Gründergesellschaft

Saudischer Ardah

Dabei handelt es sich um einen rhythmischen Tanz, der von Männern dargeboten wird. Er ist tief in der Geschichte des saudischen Staates verwurzelt und stellt die ungebrochene Verbindung zwischen den Anführern und dem Volk dar. Er ruft eine enthusiastische Stimmung hervor und wird vor dem Anführer aufgeführt, um die Liebe für das Land und die Loyalität gegenüber dem Anführer zu zeigen. Traditionell diente er der Vorbereitung auf den Krieg und versetzte die Armee in Kampfbereitschaft. Seit die Sicherheit und Stabilität des Staates gewährleistet, wir der Ardah heute als Ausdruck der Freude dargeboten. Der Ardah beginnt mit dem Hawrabah, dem ersten Aufruf zum Tanz, gefolgt von einer Gruppendarbietung, die Enthusiasmus hervorruft. Dabei herrscht rhythmische Einheit zwischen den sog. al-Takhmir und al-Thalith, also den harmonischen Schlägen der großen und kleinen Trommeln, und einer bestimmten poetischen Ode, die als al-Harbi bekannt ist. Der saudische Ardah besticht durch seine Würde und Erhabenheit und dem Vorhandensein von Flagge und Schwertern, als handele es sich um eine echte Kriegsszene. Zudem sorgt die Einheitlichkeit der Gewänder für eine wunderbare Optik. Die Darbietung endet mit dem al-Zamiya, einem Vers, der von den Darbietenden kollektiv mit zunehmender Stimmgewalt und steigendem Rhythmus gesanglich vorgetragen wird, und lautet wie folgt: Tahta Bayraq Sayidi Sama'an Wa Ta'a (Unter dem Banner meines Königs hörten und folgten wir). Dieser Ausspruch bekräftigt die Liebe und den Respekt gegenüber dem Land und dem Anführer.

Der Stolz von al-Auja

Es handelt sich um einen geschichtlich begründeten Stolz, der Enthusiasmus, Stolz und ein Nationalgefühl hervorruft und mit dem saudischen Staat verbunden ist. Al-Auja bezieht sich auf Diriyya, da die Stadt an der mäandrierenden Natur des Wadi Hanifa liegt. Es verdeutlicht den Stolz und die Stärke ihrer Bewohner und aller Menschen mit Verbindung zu ihr. Grund dafür ist die Lage Diriyyas am Rande des mäandrierenden Wadi Hanifa. Dieses Stolzes wurde sich auch unter der Herrschaft von König Abd al-Aziz weiter bedient, um die Verbindung zwischen dem Königreich und den Wurzeln der Gründung des saudischen Staates in Diriyya zu verdeutlichen. Der Stolz von al-Auja wurde in vielen alten und modernen Gedichten herangezogen, um dem saudischen Volk Stärke, Stolz und Selbstvertrauen zu vermitteln.

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Nationale Parade zur Feier des Gründungstags in einer Stadt im Königreich (SPA)

Traditionelle Kostüme

Die in der Kultur der Gründergesellschaft verankerten traditionellen Kostüme haben einen bedeutenden historischen Aspekt und sind ein Abbild der Lebensweise der Menschen im ersten saudischen Staat der Väter und Vorväter sowie der transportierten Botschaften im Hinblick auf Werte, Bräuche und Traditionen. Außerdem dienen sie als Hinweis auf den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Status in der damaligen Zeit. Wegen der Ausdehnung des Königreichs und der Vielfalt der verschiedenen Regionen, hoben sich die einzelnen Regionen durch die jeweils ihnen eigene traditionelle Kleidung voneinander ab, wobei sich einige Kleidungsstücke nur in wenigen Einzelheiten unterschieden.

Im nördlichen Teil des Königreichs trugen die Beduinen-Frauen den Muhawthal, der als das vorrangige Obergewand gilt. Es handelt sich dabei um ein langes Gewand, das nach al-Hathl benannt ist, also der Faltung des Gewands. Die Frauen falteten es an der Hüfte und banden es mit einem gewebten Gürtel aus roter oder schwarzer Baumwolle oder Wollfäden zusammen. Weitere Gewänder waren das Sharsh oder Mudraqa, ein weit sitzendes Kleidungsstück mit langen Ärmeln, und Zabon, das es in zwei Ausführungen gab: in schlichter Ausführung und mit Verzierungen für Festlichkeiten. Zudem wurde das al-Jubba getragen, ein weiteres Gewand, das dem Zabo ähnelt, jedoch länger ist. Frauen in der Stadt trugen das Maqta-Gewand, ein weites und langes Kleid mit rundem Kragen, und das Kurta-Gewand, das wie das Maqta ist, jedoch eine Falz an der Hüfte hat. Über der Alltagskleidung trugen sie außerdem das Mufarrij-Gewand, das sehr weit war und quadratische Ärmel hatte. Beim Murawdin handelt es sich um ein langes, mehrfarbiges Kleid mit Verzierungen und langen dreieckigen Ärmeln, die bis zum Boden reichten. Schließlich gab es noch das Dara'a, ein weites, langes Gewand mit weiten, langen Ärmeln.

Im südlichen Teil des Königreichs gab es eine Vielzahl von Kleidungsstücken für Männer. Männer trugen einen gemusterten Thawb, den Thobe al-Muzanad, den Thobe Mudhail und den Izar sowie den Mithlouth, Hawk, al-Jarafi und den gestreiften Musanaf. Letzteres war ein Stück Stoff, das um die Hüfte gewickelt und mit einem Gürtel befestigt wurde. In einigen südlichen Regionen trugen Männer einen al-Sabtah, ein Stück Baumwollstoff in Blau oder anderen Farben, das über die Schulter gelegt wurde. Im Winter trugen sie die Shamleh, einen Überwurf aus Schafwolle. Männer trugen außerdem einen Gürtel oder Kamar, einen Ledergurt, der um die Hüfte geworfen wurde und mit Metallstücken besetzt war. Den Kopf bedeckten sie mit einem Turban, dem Sumadah, und im Winter mit einem Qubba genannten Hut.

Im südlichen Teil des Königreichs trugen Frauen ein Sudrah, ein schwarzes Gewand, das den ganzen Körper bedeckte und in leuchtenden Farben bestickt war. Dieses Gewand war unter verschiedenen Namen bekannt, u. a. al-Mahbouk, al-Matraz, und al-Maklaf sowie Kurta, Jaljalan, Makmam, Majnab und Muznadah. Als Kopfbedeckung trugen sie verschiedene Stoffe, darunter vor allem al-Shayla, al-Misr und al-Maqlama. Die Frauen im Süden zierten sich gern mit wohlriechenden Parfums und aromatischen Pflanzen, die sie als auffälligen Kopfschmuck trugen, z. B. in Form von Kränzen, die Mak'as oder Gharaaz genannt wurden.

Die frühere Kleidung der Männer in den zentralen Regionen des Königreichs ähnelte dem heutigen Thawb. Bei der Herstellung wurden die Stoffe nach den klimatischen Bedingungen der Umgebung ausgewählt: Im Winter wurden schwere Stoffe verwendet, im Sommer leichtere Stoffe. Das Maqta genannte Gewand war weit und hatte lange Ärmel. Außerdem trugen die Männer darüber einen Murowdin, der dem Thawb ähnelt, aber dreieckige, lange Ärmel hatte. Die Frauen in den zentralen Region trugen zwei verschiedene Arten von Kleidern. Die eine Art war aus Baumwolle, in der Regel grün und schwarz und hieß Thobe al-Karbas. Die zweite Art waren Kleider aus Seide mit Verzierungen in verschiedenen Farben. Junge Mädchen trugen einen Makhnaq, einen transparenten Stoff aus Chiffon oder Tüll, der bis zum Halsausschnitt vollständig zugenäht war und dadurch nur das Gesicht offenbarte.

Im östlichen Teil des Königreichs gehörte zur Männerkleidung eine Kopfbedeckung, z. B. die Qahfiyah oder Taqqiyah, eine weiße Baumwollmütze, oder die Kufiya, ein quadratisches Stoffstück, das zu einem Dreieck gefaltet und mit einer Uqqal aus Baumwollfäden gesichert und so auf dem Kopf getragen wurde. Männer trugen die Dishdasha, ein dem Thawb in der zentralen Region ähnliches Gewand, und darunter einen Wizar oder Izar, ein rechteckiges Stoffstück aus weißer Baumwolle, das häufig gestreift war und um den Unterkörper gewickelt wurde. Auch getragen wurden ein Obergewand namens Zabon, ein langes, vorne offenes Gewand, und das Dagla, das dem Zabon ähnelt, aber einen hohen Kragen hatte und mit Stickereien verziert war. Männer trugen zudem die Sudairi, eine vorne offene Weste, die den Brustbereich bedeckt, und den Bischt oder Mishlah, ein weites, rechteckiges Übergewand, das je nach Wetter aus leichtem oder schwerem Stoff bestand. Die Damenbekleidung im Osten des Königreichs ähnelte der in der zentralen Region des Königreichs.

Im westlichen Teil des Königreichs trugen Frauen die folgenden Kleidungsstücke: Thobe al-Muzannad, Zabon, Kurta, arabischer Thawb, Thobe Masdah, schwarzer Thawb, Dawak Thobe, Mabqar Thobe, Maqta oder Mudraa Thobe, Sudrah, Sawn Thobe und Masdar Thobe. Zu den traditionellen Kleidungsstücken für Männer gehören Thawb, Shemagh, Uqqal, Sudairi und Bischt.

Traditionelle Speisen und Getränke

Die Frauen in Diriyya waren historisch für ihre Kochkünste bekannt. Zu den wichtigsten Zutaten gehörten Weizen, der geschrotet oder gemahlen und dann wie Reis gekocht und mitunter mit Fett ummantelt wurde. Zu den Gerichten der damaligen Zeit gehörten Thareed, das aus Brot gemacht und häufig mit Fleisch Ghee oder anderen Zutaten kombiniert wurde, sowie Jareesh, ein beliebtes Gericht, für das Weizenkörner mit einem Mujrasha genannten Steinwerkzeug, vergleichbar mit einem Mühlstein, gemahlen wurden. Anschließend wurde Jareesh so lange in Fleischbrühe gekocht, bis es zart war. Reis, Brot, Asida und verschiedene Fleischsorten gehörten zu den wichtigen Zutaten in der Küche der Region Nadschd. Die Gerichte wurden auf verschiedene Arten zubereitet, z. B. gekocht, gegrillt oder geschmort. Traditionell stellten die Frauen in Nadschd außerdem Ghee, Laban (ein Milchprodukt), Datteln sowie einige Gewürze wie Pfeffer her. Dieser wurde getrocknet und gemahlen, mit getrockneten Zitronen vermischt und zum Würzen verschiedener Gerichte verwendet.

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Arten von traditionellen Gerichten im Königreich (Saudipedia)

Feierlichkeiten zum Tag der Gründung

Am 22.02.2022 feierte das Königreich unter dem Motto „Unser erster Tag“ erstmals den Tag seiner Gründung. Die Erklärung des Tages zum nationalen Feiertag wurde von den saudischen Bürgern wohlwollend aufgenommen, und der Tag wird seither mit Vorfreude erwartet. Als erste Feier des Jahrestags der Gründung hat dieser Tag einen besonderen Platz im Gedächtnis der Menschen eingenommen. Zu diesem Anlass wurden viele offizielle Veranstaltungen in verschiedenen Städten des Königreichs organisiert.

Die Feierlichkeiten für diesen Tag unterscheiden sich von allen anderen nationalen Feiern im Königreich, da zu diesem Anlass das Ziel verfolgt wird, die Kultur der Gründergesellschaft aus der Zeit der Anfänge des ersten saudischen Staates zu verbreiten. Dazu gehören traditionelle Kostüme, nationale Lieder, der saudische Ardah-Tanz sowie saudischer Kaffee, die den Bürgern die Möglichkeit geben, mit Stolz auf ihr historisches und kulturelles Erbe zu blicken.

Zu den Aktivitäten im Rahmen der Feier zum Gründungstag gehörten Darbietungen des Ardah-Nationaltanzes auf öffentlichen Plätzen und an Veranstaltungsorten in vielen saudischen Städten. Der Tanz wurde von traditionellen Tanzgruppen aufgeführt, die ihre Fahnen und Schwerter schwenken – als Symbol für den Ruhm und die Stärke des Staates. Außerdem wurden auf Paraden die traditionellen Trachten gezeigt, und Bürger trugen traditionelle Kleidung, um ihren Stolz und die nationale Identität zu zeigen. Die saudische Kommission für Mode gab unter dem Slogan „Unsere Kleidung in der Gründerzeit“ eigene Richtlinien für die Mode am Tag der Gründung heraus, um die Menschen zur Teilnahme an den Feierlichkeiten in traditioneller Kleidung zu animieren.

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Aufnahme von den Feierlichkeiten der Gemeindeverwaltung der Provinz Riad am Tag der Gründung (SPA)

Quellen


Ministerium für Kultur

 Saudi Press Agency (offizielle Nachrichtenagentur des Königreichs Saudi-Arabien)

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